Künstliche Beschneiung

In vielen Skigebieten wird eine künstliche/technische Beschneiung von Skipisten vorgenommen; der so erzeugte Schnee wird auch als Kunstschnee bezeichnet. Die Beschneiung erfolgt über so genannte Schneekanonen oder Lanzen. In Europa war das Skigebiet von Savognin Vorreiter in Sachen künstlicher Beschneiung. Am 23.11.1978 wurde hier auf Betreiben des umtriebigen Bergbahndirektors Leo Jeker die erste Beschneiungsanlage in Betrieb genommen.

 

Während in Österreich 60 %, in Italien 70 % und in Frankreich 66 % der Pistenfläche beschneit werden, sind es in der Schweiz mehr als 41 % (2006: 19 %) respektive 92 km2 Pistenfläche (2006: 42 km2) und es kommen laufend neue Flächen hinzu (Quelle: Seilbahnen Schweiz: Fakten und Zahlen 2014).

Der Energieaufwand zur künstlichen Beschneiung beträgt pro Hektare rund 25'000 kWh pro Saison (230 GWh für die gesamte Schweizer Beschneiungsfläche = 8 % der Jahresproduktion eines Kernkraftwerkes vom Typ Beznau-1, Beznau-2 oder Mühleberg). 

Normalerweise kann eine Beschneiung nur erfolgen, wenn die Lufttemperatur unter 3 °C liegt. Zur besseren Präparation von Rennpisten wird neuerdings bei über Null Grad liegenden Temperaturen Kunstdünger (Ammoniumnitrat) eingesetzt, u.a. vor dem Lauberhornrennen 2007 sowie beim Ski-Weltcup-Finale auf der Lenzerheide im März 2007 (14.-18.03.2007), wo 400 kg Dünger eingesetzt worden sind. Der hiermit hergestellte Schnee wird als Schneezement bezeichnet. 

Die Auswirkungen der Beschneiung auf die Umwelt sind vielfältig:
  • Kunstschnee ist deutlich dichter (523 g/L) als natürlicher Schnee (344 g/L; Quelle: SLF).
  • Hydrologie: durch die Beschneiung wird die Menge des bei der Schneeschmelze abfliessenden Wassers erhöht.
  • Verzögerte Schneeschmelze: Kunstschnee taut langsamer auf als Naturschnee. Insgesamt ergibt dies einen gleichmässigeren Abfluss des Schmelzwassers. Dies kann sich günstig auswirken, wenn ein Starkregen während der Schneeschmelze erfolgt, das Murgangrisiko kann sich vermindern.
  • Verspätete Vegetation: wegen der verzögerten Schneeschmelze wachsen und blühen auch die Pflanzen verspätet. Die sonst als erste blühenden Krokusse können unter verstärkten Konkurrenzdruck geraten. Die Beweidung von Kunstschneepisten erfolgt später als diejenige des umgebenden Landes; dies wird von einigen Bauern auch als Vorteil angesehen.
  • Veränderte Schneezusammensetzung: während Naturschnee in seiner Zusammensetzung nahe an destilliertes Wasser kommt, weist Kunstschnee, der aus Bach , See oder Quellwasser hergestellt wird, einen höheren Ionengehalt auf. Das abfliessende Wasser führt zu einer stärkeren Düngung des Bodens.
  • Kristallisationskeime: zum Teil wurde versucht die Kristallisationsfähigkeit zu erhöhen, indem dem Beschneiungswasser künstliche Keime, wie Bakterien, beigesetzt werden. Deren Verwendung ist jedoch in der Schweiz untersagt.
  • Als Schneehärter können Streusalz (NaCl) oder Ammoniumnitrat (NH4NO3) Anwendung finden. Ammoniumnitrat wird in der Regel als Düngemittel und Sprengstoffbestandteil verwendet. Ammoniumnitrat, welches in Wasser gelöst wird, kühlt dieses stark ab. Oder anders rum: der Gefrierpunkt des Schnees wird heraufgesetzt, so dass Skipisten bei höheren Temperaturen präpariert werden können. Als Vorbereitung auf das Lauberhornrennen 2007 wurden dem Wasser grössere Ammoniumnitratmengen beigegeben. Durch den Einsatz von Ammoniumnitrat erfolgt eine unerwünschte Düngung von Bergweiden. Der Stickstoffeintrag liegt mit 20-200 kg pro Hektare und Jahr deutlich über der atmosphärischen Deposition (5-10 kg / ha / y; Quelle: WSL, 2007).